Zwei auf VDH-Ausstellungen erfolgreiche Siergerhunde - zwei „klassische“ Möpse
Zwei auf VDH-Ausstellungen erfolgreiche Siergerhunde - zwei „klassische“ Möpse

Die neue Tierschutzgesetzgebung, was bedeutet es wirklich?

Der klassische Mops: so sieht er im Verband des Deutschen Hundewesen, kurz VDH aus.

Die Schnauzenpartie ist praktisch nicht erkennbar, eine Wulst statt Fang, tiefe Falten und deutlich hervorstehende Augen. 

 

Als die Wahl unseres Sohnes auf einen Mops fiel, war uns als grundsätzlich überzeugte ehemalige und vor allen Dingen Züchter, welche über Jahrzehnte im VDH gezüchtet hatten, klar, daß wir AUF KEINEN FALL einen Mops aus eben diesem Verband haben möchten: Die Gründe lagen klar auf der Hand, denn entgegen der Aussagen, es handele sich um „leistungsgeprüfte“ Möpse, waren es für uns Hunde, welche aufgrund ihrer Zuchtmerkmale nicht an unserem normalen Leben mit unseren Kromfohrländern teilnehmen können, da sie mit ihren gesundheitlichen Einschränkungen kein beschwerdefrei Leben bei uns führen können. 

Kromfohrländer sind ausgesprochen bewegungsfreudige Tiere und einen Hund in ein Rudel solch lebendiger Vierbeiner zu stecken, würde einem klassischen Mops, wenn nicht einen schnellen Herztod, dann doch jede Menge Frust einbringen, denn sein KOPF will ja mit den Kromis rennen, allein, sein Körper und seine -nicht vorhandene Atemfreiheit- verhindern dies.

Unsere Wahl fiel seinerzeit deshalb auf einen altdeutschen Mops, welcher bereits über eine deutlich erkennbare Schnauzenpartie verfügte, sowie schlank und sportlich daherkam.

Diesen Entschluss haben wie nie bereut, im Gegenteil: sie wurde der Grundstein zu unserer Mopsliebe!

Nichtsdestoweniger haben wir im Verlauf der Jahre feststellt, daß zwar wenige, aber doch ein paar der „typischen“ Probleme ein sorgenfreies Zusammenleben beeinträchtigten.

Wie bei den klassischen Möpsen bekannt, so litt auch Rippe unter Hitze, was eine erhöhte Aufmerksamkeit beim Mitnehmen im Auto bedeutete, aber auch beinhaltete, dass sie bei Hitze in akute Lebensgefahr kam. Leider erfuhren wir das in der Praxiis, als ich sie im Hochsommer mit Viva beim Fotografieren - im Wald und im Schatten - dabei hatte. Sie wurde keinerlei Belastung ausgesetzt und nur für Bewegungsbilder verließen wir kurz den Wald, um auf der Wiese zu fotografieren. Rippe war vollkommen unauffällig und wie immer eine treue Begleiterin, die nie von meiner Seite wich. Und ganz plötzlich kollabierte sie auf dem Rückweg mitten im Wald! Ohne Vorwarnung, ohne jegliches vorangegangenes Anzeichen. Glücklicherweise wußte ich zufällig genau, wo ein großer Wassertümpel war UND WIR ERREICHTEN ihn quasi sofort: Ich legte mich auf den Boden und hielt Rippe mit beiden Händen ins kalte Wasser, nur der Kopf von ihr schaute hinaus. Ihre Rettung, und ca. zehn Minuten später hatte sie sich vollständig erholt. Unvorstellbar, was gewesen wäre, wenn kein Wasser in der Nähe gewesen wäre!

Die zweite, sehr typische Gefahr ereilte uns, als Rippe unter Stress eines ihrer „prominenten“ Augen heraussprang. Das Auge „fällt“ quasi aus seiner Halterung heraus, eine Gefahr, wenn der Blutdruck durch Stress steigt und der sowieso schon wenig einliegende Augapfel dadurch herausspringt. In Panik rannte Rippe dann gegen eine weiteren Gegenstand und verletzte sich damit das andere Auge so schwer, daß sie in der Folge beidseitig erblindete. 

Daß man ihr dies optisch nicht ansieht, ist ausschließlich einer absolut sorgfältigen und zeitintensiven Versorgung unter bester fachärztlicher Betreuung zu verdanken und auch heute noch müssen die Augen sorgfältig behandelt werden, um diesen Zustand zu erhalten.

Bilder nach dem Unfall, denn Bilder sagen mehr als Worte….
Bilder nach dem Unfall, denn Bilder sagen mehr als Worte….
… ihre Augen heute - ein Traum! (Sie ist nach wie vor beidseitig erblindet)
… ihre Augen heute - ein Traum! (Sie ist nach wie vor beidseitig erblindet)

Die neue Tierschutzhundeverordnung will genau diese Gefahren in Zukunft vermeiden - und das ist ganz grundsätzlich unbedingt und absolut unterstützenswert!

Schon alleine aus unserer „praktischen Erfahrung“ heraus befürworten wir dies als richtigen Weg - wobei wir uns bei unserer Zuchtentscheidung nicht etwa für „altdeutsche Möpse“ entschieden haben, sondern aufgrund unserer Erfahrungen ganz gezielt für die Zucht von Retromöpsen entschieden haben. 

 

Um der Realität einmal ins Auge zu sehen: Es wird auch in Zukunft immer eine Nachfrage nach Möpsen bestehen - verständlicherweise, da es fantastische Familienhunde mit einem bezauberndem Wesen sind.

Ein allgemeines VERBOT würde dazu führen, daß von einem Zuchtverbot  betroffene Rassen erfahrungsgemäß „heimlich“ gehandelt und in der Regel dann unter unkontrollierten und fragwürdigen Bedingungen „produziert“ werden.

 

Nun hat der Gesetzgeber nicht etwa definiert, welche Rassen unter eine sogenannte Qualzucht fallen, sondern eine allgemeine Untersuchung für ALLE Rassehunde verordnet, was heisst, auch erwiesenermaßen gesunde Leistungsrassen müssen zum Beispiel vor einem Ausstellungsbesuch erst einmal tierärztlich nachweisen, DASS sie gesund sind.

Möglicherweise freut dies die Tierärzte, denn so eine Untersuchung kostet zwischen 150 bis 200 Euro, aber Fakt bleibt: alle Rassehunde stehen unter Generalverdacht.

Eine einheitliche Regelung, wie grundsätzlich mit der neuen Verordnung umzugehen ist, gibt es leider auch nicht, so daß von Bundesland zu Bundesland die Vorschriften sehr willkürlich umgesetzt werden.

Natürlich liegt der Fokus auch auf den tatsächlich von Qualzucht betroffenen Möpsen.

Und hier scheiden sich dann tatsächlich die Geister und deshalb ist es dringend erforderlich, sachliche Kritik zu leisten und auf eine grundsätzliche Problematik hinzuweisen.

Zum Anlass nehme ich hier einen Artikel der Zeitschrift „Partner Hund“ vom August 2022, der folgendermassen titelte: „Rasse-Ausstellungen, die Auswirkungen der Tierschutzverordnung“, ein Artikel der Journalistin Gabriele Merz.

Ihr Anlass des Artikels ist ebendiese Untersuchung beim Tierarzt, welche sie absolvieren muss, um mit ihrem Hund, in ihrem Fall ein englischer Setter, eine Ausstellung besuchen zu dürfen. Der Generalverdacht, welcher mit der neuen Tierschutzverordnung allen Rassehunden unterstellt wird, und dessen Aufgabe des Widerlegens den Besitzern obliegt, scheint ihr berechtigterweise ausgesprochen fragwürdig und man kann ihre Argumentation sehr leicht nachvollziehen.

Schwierig wird es allerdings bei folgender Aussage:

“Außerhalb des VDH und seiner strengen Zuchtbestimmungen und -Kontrollen bedienen vor allem Vermehrer und Importe aus dem Ausland die Nachfrage nach diesen Hunden“

 

Wir erinnern uns? Dieses Bild zeigt im VDH gezüchtete Möpse:

Siegerhunde im Verband des Deutschen Hundewesen VDH
Siegerhunde im Verband des Deutschen Hundewesen VDH

Schon bei dieser Aussage geht mir als Mopsliebhaber die Hutschnur hoch, werden doch genau die von Qualzuchtmerkmalen betroffenen Möpse IM VDH GEZÜCHTET!!!!!!

„Außerhalb des VDH…“ - befindet sich zum Beispiel unser Verein, die Zuchtgemeinschaft der Retromöpse, welche eben genau diese Hunde wir oben im Bild NICHT züchten möchte!!!! 

ABER:  Es geht noch weiter, denn blättert man um, gelangt man zu folgender Aussage:

“Strenge Zuchtvorgaben, denen sich die Züchter im VDH freiwillig verpflichten und die Züchter außerhalb des VDH nicht treffen, haben dazu geführt, dass nur ein Bruchteil der Populationen dieser Rassen in Deutschland dem VDH zuzuordnen sind.“

 

Die gleiche Autorin, welche sich bei IHRER Rasse über das Stellen unter Generalverdacht bezüglich der neuen Tierschutzhundeverordnung (wenn auch berechtigt) auslässt, findet nichts dabei, alle anderen Vereine als den VDH unter Generalverdacht zu stellen.

Im Klartext: Wir, als seriöse Züchter in einer absolut seriösen Gemeinschaft, welche sich die Gesundheit der Rasse auf die Fahne geschrieben hat und mittels Einkreuzen maßgeblich zur Gesundung der Rasse Mops beiträgt, alle Zuchttiere bestens und sorgfältig vor dem Zuchteinsatz untersuchen lässt - wir werden von ihr mit schnöden Hundehändlern gleichgestellt und der VDH, welcher tatsächlich Möpse mit Qualzuchtmerkmalen produziert, wird als einzig seriöser Verband dargestellt. 

Ganz ehrlich? Mir fehlen da die Worte!

Aber es geht noch schlimmer, denn in der Praxis verschließt man ganz offensichtlich die Augen vor der Realität: Es wird IMMER Menschen geben, die einen Mops wollen, ich wiederhole dies an dieser Stelle bewusst! Ein VERBOT kann also nicht die Lösung des Problems sein! 

Die Lösung muss in einer plan- und sinnvollen Zucht von einem modernen und gesunden Rassevertreter liegen, ein Mops mit uneingeschränkter Lebensfreude.

Eine Zucht, die auf das Einkreuzen aufbaut und KEINE Rückzüchtung auf den klassischen Mops zum Ziel hat, sondern im Gegenteil, einen vitalen, modernen Mops mit Fang und eingebetteten Augen mit den Qualitätsmerkmalen im Wesen und Charakter, wie wir unsere Möpse kennen und lieben!

Dies ist an sich schon ein sehr langwieriger Prozess, da ja gut abgewogen werden muss, wie, mit was, wie lange usw. eingekreuzt wird und eine planvolle Zucht dauert Jahrzehnte. (Anmerkung: das erste Jahrzehnt des Einkreuzens ist in der ZG Retromöpse bereits sehr erfolgreich erreicht.)

Was deshalb nicht weniger spannend ist und im Ergebnis das Ziel beinhaltet, einen gesunden, modernen Mops zu präsentieren.

Es geht jedoch in der Realität mit der Umsetzung der neuen Tierschutzverordnung noch schlimmer - Steigerungen sind offensichtlich endlos möglich:

Immer häufiger kommt mir zu Ohren, daß Tierärzte sich weigern, Möpse zu untersuchen.

Da sie „Qualzuchtmerkmale“ besitzen, werden nun ALLE Möpse, AUCH Retromöpse unter Generalverdacht gestellt, diesmal von einem Teil der Tierärzteschaft.

Genau jene Untersuchungen, welche der VDH als „ er alleine durchführend“ beansprucht und was NICHT den Tatsachen entspricht (sieht Zuchtordnung ZG Retromops zum Beispiel) genau diese Untersuchungen verweigern nun manche Tierärzte.

Ein Hund also wie Lakritze:

 

…welche dem Bild eines modernen Retromopses schon sehr genau entspricht, genau ihr kann es passieren, daß ein Tierarzt sich weigert, sie zu untersuchen und zu bescheinigen, daß es sich bei ihr um einen gesunden Hund handelt.

Geht es noch paradoxer?????

 

Hier wurde offensichtlich eine durchaus gut gemeinte Novellierung des Tierschutzhundeverordnung bezüglich der Rassehundezucht und hinsichtlich seiner Qualzuchtmerkmale in Kraft gesetzt, welche ganz offensichtlich nicht von kynologisch objektiven und versierten Experten beraten wurde, sondern eine oberflächliche, kaum durchdachte und wenig zielführende Neufassung verordnet, welche, und um es auf gut deutsch zu sagen, weit über das Ziel hinausgeschossen ist und paradoxerweise nun genau das Gegenteil erreichen könnte: den Verlust eines gesunden, vitalen und modernen Mopses zugunsten eines heimlich bei Vermehren unter in der Regel schlimmsten Bedingungen lebenden Rassehundes Mops, welcher alle seine Qualzuchtmerkmale behalten wird.

 

                                                                                                Sybille Nass, September 2022

 

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